{"id":9254,"date":"2017-02-16T22:34:37","date_gmt":"2017-02-16T22:34:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunnskap.de\/?page_id=9254"},"modified":"2022-11-23T17:05:35","modified_gmt":"2022-11-23T16:05:35","slug":"der-zusammenhang-zwischen-zinsen-und-anleihenkurse","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/prudentwater.com\/en\/der-zusammenhang-zwischen-zinsen-und-anleihenkurse\/","title":{"rendered":"Der Zusammenhang zwischen Zinsen und Anleihekurse"},"content":{"rendered":"<p>Steigen die Zinsen am Markt an, so fallen die Kurse der Anleihen, fallen jedoch allgemein die Zinsen, so steigen die Anleihekurse. Dieser Mechanismus gilt als Grundprinzip, um den Zusammenhang von Zinsen und Anleihen zu verstehen, nichtsdestotrotz ist das Zusammenspiel von Zinsniveau und Anleihen umfangreicher.<\/p>\n<h4>Struktur einer Anleihe<\/h4>\n<p>Um den Zusammenhang zwischen Zinsen und Anleihen zu verdeutlichen, muss zun\u00e4chst auf die Struktur einer Anleihe eingegangen werden. Der Nominalzins einer Anleihe ist der Zins zum Nominalwert (100 %) und wird zun\u00e4chst durch Angebot und Nachfrage am Prim\u00e4rmarkt gebildet. Der Nominalzins (auch Kupon genannt) ist von der Emission an fix und ver\u00e4ndert sich w\u00e4hrend der gesamten Laufzeit der Anleihe nicht. Der Effektivzins einer Anleihe hingegen ver\u00e4ndert sich immer dann, wenn sich auch der Kurs der Anleihe \u00e4ndert, also so gut wie jeden Tag. Der Effektivzins einer Anleihe ist die tats\u00e4chlich erzielte Rendite pro Jahr einer Anleihe und beinhaltet Zinszahlungen sowie m\u00f6gliche Kursgewinne oder auch Kursverluste. Kauft n\u00e4mlich der Anleger eine Anleihe unter dem Nominalwert (100 %), so erzielt er einen Kursgewinn, wenn er die Anleihe bis zur F\u00e4lligkeit h\u00e4lt. Dann liegt der Effektivzins \u00fcber dem Nominalzins (Kupon). Kauft der Anleger die Anleihe jedoch \u00fcber Nominalwert, so erleidet er einen Kursverlust, wenn er die Anleihe bis zum Ende der Laufzeit h\u00e4lt. In diesem Fall ist die Effektivverzinsung geringer als der Nominalzins (Kupon). Dies bedeutet nicht, dass der Anleger mit der Anleihe einen Verlust erleidet, sondern lediglich, dass seine Jahresrendite geringer ausf\u00e4llt als wenn er die Anleihe bei Emission zum Kurs von 100 % gekauft h\u00e4tte. Eine Anleihe wird vom Emittenten bei Laufzeitende immer zum Nominalwert (100 %) zur\u00fcckgenommen. \u00dcbergeordnet gilt somit folgender Mechanismus bei Anleihen:<br \/>\n<div class=\"perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left\" style=\"border-color:#9cd3db !important;font-size:22px !important;\"><blockquote><p style=\"font-size:22px !important;\">Bei fallenden Anleihekursen steigt f\u00fcr potenzielle Neuk\u00e4ufer die Effektivverzinsung, wohingegen bei steigenden Anleihekursen die Effektivverzinsung f\u00fcr potenzielle K\u00e4ufer f\u00e4llt.<\/p><\/blockquote><\/div><\/p>\n<p>F\u00fcr Anleger, welche die Anleihe bei Emission gekauft haben und bis zur F\u00e4lligkeit halten, sind die zwischenzeitlichen Kursschwankungen irrelevant, da sie in etwa zum Nominalwert (100 %) gekauft haben. Nominalzins und Effektivzins sind dann somit beinahe gleich und ihnen wird bei F\u00e4lligkeit der anf\u00e4nglich investierte Geldbetrag plus die letzte Zinszahlung zur\u00fcckgezahlt.<\/p>\n<h4>Zusammenhang von Anleihe und Marktzins<\/h4>\n<p>Nun gilt dar\u00fcber hinaus, dass Anleihekurse und der allgemeine Marktzins sich gegenl\u00e4ufig entwickeln. Der Marktzins dr\u00fcckt dabei keinen bestimmten Zinssatz aus, sondern spiegelt das aktuelle Zinsniveau am Markt wider. Als Referenz f\u00fcr das aktuelle Zinsniveau gilt in Deutschland bzw. in Europa oftmals 10-j\u00e4hrige deutsche Staatsanleihen, weltweit hingegen 10 j\u00e4hrige US-amerikanische Staatsanleihen.<br \/>\n<div class=\"perfect-pullquote vcard pullquote-align-full pullquote-border-placement-left\" style=\"border-color:#9cd3db !important;font-size:22px !important;\"><blockquote><p style=\"font-size:22px !important;\">Fallende Anleihekurse werden oftmals durch h\u00f6her als zuvor erwartete Wirtschaftwachstumsraten und Inflationsraten ausgel\u00f6st.<\/p><\/blockquote><\/div> Steigen nun die Zinsen am Markt an, beispielsweise aufgrund einer h\u00f6her ausfallenden Inflationsrate oder aufgrund einer besseren Entwicklung der Konjunktur, so werden die Kurse der Anleihen (sowohl Staats- als auch Unternehmensanleihen) so weit fallen, bis deren Effektivzins das aktuelle und nun h\u00f6here Zinsniveau neu widerspiegelt. Wie bereits festgestellt, steigt der Effektivzins mit fallenden Anleihekursen f\u00fcr neue K\u00e4ufer. Neue, potenzielle K\u00e4ufer am Markt sind nun erst dann bereit Anleihen zu kaufen, wenn sie einen vergleichbaren Zins zu dem aktuellen und gestiegenen Marktniveau geboten bekommen. Investoren warten also nun solange ab, bis ein Kursr\u00fcckgang der Anleihen zu einer fairen Anpassung von aktuellem Marktzins und Rendite der Anleihen gef\u00fchrt hat. Steigen also auch die Nominalzinsen f\u00fcr neu emittierte Anleihen aufgrund des h\u00f6heren Zinsniveaus, so werden bereits emittierte Anleihen mit selber Bonit\u00e4t im Kurs so weit fallen, bis deren Ertrag aus Zinsen und Kursgewinnen dem Ertrag der neu emittierten Anleihen mit h\u00f6herem Nominalzins entspricht. Andersherum, w\u00fcrden Unternehmen bei der Emission von neuen Anleihen nicht den in der Zwischenzeit gestiegenen Marktzins ber\u00fccksichtigen, so w\u00fcrden sie nicht gen\u00fcgend Abnehmer f\u00fcr ihre Anleihen finden, da Investoren bereits am Markt mit Anleihen selber Bonit\u00e4t und Laufzeit eine bessere Rendite erzielen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4>Einfluss der Laufzeit auf die Kursentwicklung der Anleihe<\/h4>\n<p>Die Laufzeit einer Anleihe nimmt ebenso Einfluss auf die Kursentwicklung bei Ver\u00e4nderung des Zinsniveaus. Allgemein gilt, dass je l\u00e4nger die Laufzeit der Anleihe, desto sensibler reagiert diese auf Ver\u00e4nderungen des Zinsniveaus. F\u00fcr Anleihen mit sehr langen Laufzeiten, wie zum Beispiel einer 100-j\u00e4hrigen Anleihe, bedeutet bereits ein kleiner R\u00fcckgang des aktuellen Zinsniveaus gro\u00dfe Aufschl\u00e4ge im Kurs der Anleihe. Andersherum fallen die Kurse von sehr langlaufenden Anleihen \u00fcberproportional, sobald das Zinsniveau am Markt auch nur geringf\u00fcgig steigt. Dieser Zusammenhang zwischen Marktzinsver\u00e4nderung und die darauffolgenden Anleihenkursver\u00e4nderung wird von der modifizierten Duration ausgedr\u00fcckt.<\/p>\n<h4>Gr\u00fcnde f\u00fcr die Ver\u00e4nderung des Zinsniveaus<\/h4>\n<p>Anleihekurse sind ebenso wie Aktienkurse, wenn auch nicht so stark, t\u00e4glichen Schwankungen ausgesetzt. Grund daf\u00fcr ist neben dem bereits erw\u00e4hnten schwankendem Zinsniveau die Verbesserung oder Verschlechterung der Bonit\u00e4t des Emittenten der Anleihe. Inflationserwartungen sowie wirtschaftliche als auch politische Einflussfaktoren wirken sich ebenfalls auf die Kurse von Anleihen aus. Neigen Anleger dazu, ein h\u00f6heres Risiko einzugehen, weil sie beispielsweise ein st\u00e4rkeres Wirtschaftswachstum erwarten, findet oft eine Umschichtung von sicheren Wertpapieren wie Anleihen und Pfandbriefen in risikoreichere Anlagen wie Aktien statt. Dadurch sinkt jedoch die Nachfrage nach Anleihen und gleichzeitig der Kurs. Das Gegenteil ist der Fall, wenn der Markt risikoscheu agiert und sichere Anlagen wie Anleihen von bonit\u00e4tsstarken Schuldnern gegen\u00fcber den risikoreicheren Aktien bevorzugt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Steigen die Zinsen am Markt an, so fallen die Kurse der Anleihen, fallen jedoch allgemein die Zinsen, so steigen die Anleihekurse. Dieser Mechanismus gilt als Grundprinzip, um den Zusammenhang von Zinsen und Anleihen zu verstehen, nichtsdestotrotz ist das Zusammenspiel von Zinsniveau und Anleihen umfangreicher. 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