{"id":9675,"date":"2017-05-04T10:44:09","date_gmt":"2017-05-04T10:44:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunnskap.de\/?page_id=9675"},"modified":"2021-06-25T12:48:25","modified_gmt":"2021-06-25T10:48:25","slug":"die-einflussfaktoren-auf-das-zinsniveau","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/prudentwater.com\/en\/die-einflussfaktoren-auf-das-zinsniveau\/","title":{"rendered":"Die Einflussfaktoren auf das Zinsniveau"},"content":{"rendered":"<p>Das allgemeine Zinsniveau wird von mehreren verschiedenen Faktoren beeinflusst, wobei allen zugrunde liegt, dass es sich um gesamtwirtschaftliche Mechanismen handelt, die Einfluss auf die Zinsen nehmen. Das Zinsniveau selber ist kein bestimmter Zinssatz, sondern gilt als eine Art Durchschnittwert f\u00fcr die Aufnahme oder Vergabe von Kapital und dr\u00fcckt somit die aktuelle Zinssituation an den M\u00e4rkten aus. Als Referenz f\u00fcr das aktuelle Zinsniveau wird in Deutschland die Anleiherendite von deutschen Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren herangezogen, weltweit werden hingegen oftmals 10-j\u00e4hrige US-amerikanische Staatsanleihen betrachtet.<br \/>\nZun\u00e4chst gilt, dass der Zins sich aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage nach Kapital ergibt. Ist das Angebot an Kapital gr\u00f6\u00dfer als die Nachfrage, so werden die Zinsen fallen, ist hingegen die Nachfrage nach Kapital gr\u00f6\u00dfer als das Angebot, so wird das Zinsniveau steigen. Geld ist also ebenso eine Ware, die dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage unterliegt. Der Preismechanismus des Zinses wird jedoch nun von verschiedenen Faktoren beeinflusst:<\/p>\n<h5>Konjunktur<\/h5>\n<p>Die Konjunktur bezeichnet das Auf und Ab einer Volkswirtschaft und l\u00e4sst sich in einzelne Zyklen unterteilen. Im Aufschwung sowie in der Hochkonjunktur nehmen die Auftragseing\u00e4nge zu, einhergehend wird die Produktion gesteigert und Investitonen in das Anlageverm\u00f6gen sowie in neue Technologien nehmen zu. Folglich erh\u00f6ht sich die Nachfrage nach Kapital, bei gleichbleibendem Angebot werden die Zinsen f\u00fcr Kredite dann jedoch ansteigen, wodurch allgemein das Zinsniveau nach oben tendiert. Innerhalb eines Abschwunges sowie in der Depression wird die Nachfrage nach Kapital jedoch zur\u00fcckgehen, wodurch das Zinsniveau dann r\u00fcckl\u00e4ufig ist. Unternehmen scheuen nun gro\u00dfe Investitionen, da die zuk\u00fcnftigen Aussichten unsicher sind und sie nicht bereit sind gro\u00dfe Investitionen, wozu entsprechend Geld aufgenommen werden muss, zu t\u00e4tigen. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich nun mit den Kapitalstr\u00f6men an der B\u00f6rse, wo die Zinsen f\u00fcr festverzinsliche Wertpapiere ma\u00dfgeblich mitbestimmt werden. Innerhalb der Aufschwungsphase oder gar der Hochkonjunktur sind Anleger bereit ein h\u00f6heres Risiko bei ihrer Geldanlage einzugehen, sprich, es findet oft eine Umschichtung von sicheren Anlageklassen wie Anleihen und Pfandbriefen in Aktien statt. Durch diese Kapitalumschichtung geht jedoch die Nachfrage nach festverzinslichen Wertpapieren zur\u00fcck und entsprechend steigt die Anleiherendite an. Anleihen werden nun nicht mehr so stark nachgefragt, also m\u00fcssen Emittenten von Anleihen den Investoren einen attraktiveren Zinssatz bieten, damit sie den jeweiligen Unternehmen sowie Staaten weiterhin Geld leihen. Der Marktzins steigt folglich somit auch an. Die Umschichtung des Geldes in Aktien w\u00e4hrend einer Aufschwungphase oder gar Hochkonjunktur hat somit zur Folge, dass das allgemeine Zinsniveau ansteigt. Da Unternehmen in solchen Phasen jedoch auch h\u00f6here Gewinne erzielen, k\u00f6nnen sie die gestiegene Zinslast oftmals auch besser verkraften.<\/p>\n<h5>Inflationsentwicklung<\/h5>\n<p>Die Entwicklung der Teuerungsrate hat ebenso eine entscheidende Auswirkung auf das Zinsniveau. Sowohl die Inflation als auch die Deflation beeinflussen dabei die Entwicklung des Marktzinses. Bei der Anlage in Anleihen und andere festverzinsliche Formen der Geldanlage wird somit die zuk\u00fcnftige Preissteigerungsrate ber\u00fccksichtigt. Je h\u00f6her die in Zukunft erwartete Inflationsrate, desto h\u00f6her der Nominalzins, den Anleger f\u00fcr die Kapitalbereitstellung f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum verlangen. Dieser in Form von Prozentpunkten zus\u00e4tzliche Risikoaufschlag wird auch als Inflationsrisikopr\u00e4mie bezeichnet und f\u00e4llt umso h\u00f6her aus, je gr\u00f6\u00dfer die erwartete Inflationsrate ist. Steigt also die Inflationsrate mittel bis langfristig an, so wird auch das Zinsniveau steigen. Herrscht jedoch Deflation, so werden die Zinsen fallen, da Anleger nun keinen Aufschlag in Form der Inflationsrisikopr\u00e4mie mehr fordern. In diesem Fall findet keine reale Geldentwertung statt, sondern eine reale Geldaufwertung, wodurch sich f\u00fcr Anleger die Rendite aus dem Nominalzins plus der Deflationsrate ergibt. Sprich, in deflation\u00e4ren Zeiten verlangen Investoren einen geringen Zins, da der Realzins mindestens dem Nominalzins entspricht, w\u00e4hrend einer anziehenden Inflation jedoch verlangen Investoren hingegen h\u00f6here Zinsen, um den Kaufkraftverlust ihres Geldes verursacht durch die anziehende Teuerungsrate auszugleichen.<\/p>\n<h5>Geldpolitik<\/h5>\n<p>Durch die Geldpolitik k\u00f6nnen Zentralbanken direkt Einfluss auf das Zinsniveau in dem jeweiligen Land \/ W\u00e4hrungsraum nehmen. In erster Linie geschieht dies durch die Ver\u00e4nderung der einzelnen Leitzinsen sowie durch eine Anpassung der Geldmenge. Bei einer expansiven Geldpolitik wird der Leitzins der Zentralbank gesenkt und die Geldmenge erh\u00f6ht. Diese Ma\u00dfnahmen werden oft in Zeiten negativer Wirtschaftswachstumsraten umgesetzt und haben ein r\u00fcckl\u00e4ufiges Zinsniveau zur Folge. Die restriktive Geldpolitik hingegen f\u00fchrt zu einem ansteigenden Zinsniveau, da die Zentralbank ihre Leitzinsen erh\u00f6ht und die umlaufende Geldmenge senkt. Da mit sinkender umlaufender Geldmenge auch das Angebot an Geld sinkt, steigt folglich der Preis (Zins) f\u00fcr das Geld an. Durch die restriktive Geldpolitik steht dem Markt (vor allem den Banken) weniger Liquidit\u00e4t zur Verf\u00fcgung, welches in festverzinsliche Wertpapiere investiert werden kann, sprich, die Nachfrage nach Anleihen ist r\u00fcckl\u00e4ufig und die Anleiherendite steigt entsprechend an. Durch die Anpassung der Leitzinsen kann die Zentralbank direkt das Zinsniveau steuern. Der Leitzins der Europ\u00e4ischen Zentralbank ist der Hauptrefinanzierungssatz, ver\u00e4ndert sie diesen, so hat das direkte Auswirkungen auf den Marktzins.<\/p>\n<h5>Fiskalpolitik<\/h5>\n<p>Die Fiskalpolitik geht vom Staat aus und umfasst alle Ma\u00dfnahmen, um die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zu beeinflussen. Eine expansive Fiskalpolitik beschreibt eine Erh\u00f6hung der Staatsausgaben durch zus\u00e4tzliche Schuldenaufnahme und verursacht oftmals steigende Zinsen. Dies aufgrund der Tatsache, dass die durch den Staat verursachte zus\u00e4tzliche Nachfrage nach Kapital signifikant das Angebot und Nachfrage-Gleichgewicht beeinflusst. Eine restriktive Fiskalpolitik, in der der Staat die Ausgaben k\u00fcrzt und gleichzeitig versucht das Staatsdefizit zu verringern, verursacht hingegen ein fallendes Zinsniveau. Hier geht die Nachfrage nach Kapital zur\u00fcck, wodurch gleichzeitig der Preis (Zins) f\u00fcr Geld f\u00e4llt. Dar\u00fcber hinaus verursacht eine expansive Fiskalpolitik oftmals eine steigende Inflation, wodurch Gl\u00e4ubiger schlussendlich h\u00f6here Zinsen f\u00fcr ihr verliehenes Geld verlangen, um den Realzins auf einem konstanten Niveau zu halten. Die restriktive Fiskalpolitik hingegen kann zu einem R\u00fcckgang der allgemeinen Teuerungsrate f\u00fchren, weshalb die Zinsentwicklung in dieser Phase oftmals r\u00fcckl\u00e4ufig ist.<\/p>\n<h5>Internationale Zinsverflechtungen<\/h5>\n<p>Die ausl\u00e4ndische Zinsentwicklung beeinflusst ebenfalls die Zinsentwicklung im Inland. Steigen beispielsweise in der Schweiz die Zinsen an, so wollen Investoren aus Deutschland von den im Vergleich zu ihrem Zinsniveau h\u00f6heren Zinsen profitieren. Dazu exportieren sie Geld in die Schweiz, das Angebot an Kapital steigt also dort an, in Deutschland hingegen nimmt das Angebot an Kapital ab, wodurch automatisch eine Ann\u00e4herung der unterschiedlichen Zinsniveaus stattfindet. Allerdings wird die Zinsentwicklung unter L\u00e4ndern in erster Linie von der Bonit\u00e4t, der finanziellen Stabilit\u00e4t sowie von den wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten gepr\u00e4gt. Dies ist auch der Grund, warum beispielsweise eine Staatsanleihe eines afrikanischen Landes, auch wenn diese in Euro notiert, immer noch teilweise einen deutlich h\u00f6heren Zinssatz bietet als eine deutsche Staatsanleihe mit gleicher Laufzeit. Investoren, vor allem institutionelle Investoren, akzeptieren jedoch das h\u00f6here Risiko einer in diesem Fall afrikanischen Staatsanleihe ab einer gewissen Rendite \u00fcber jener der deutschen Staatsanleihe. Da sie aber mit dieser Geldanlage ein h\u00f6heres Risiko eingehen, verlangen sie daf\u00fcr eben eine Kreditrisikopr\u00e4mie. Nichtsdestotrotz beeinflussen die internationalen Zinsentwicklungen den Inlandszins. Dies ist vor allem der Fall f\u00fcr die Zinsentwicklungen der gro\u00dfen Industrienationen. Steigen beispielsweise in den USA die Zinsen signifikant an, so wird auch das Zinsniveau in Deutschland bis zu einem gewissen Grad mit ansteigen.<\/p>\n<h5>Angebot und Nachfrage von Anleihen<\/h5>\n<p>Ebenso beeinflusst das Angebot und die Nachfrage den Zins einer Anleihe. Dies bezieht sich dann jedoch eher auf Staatsanleihen eines einzelnen Staates. Beginnt der Staat damit, mehr Anleihen als bisher zu emittieren, steigt das Angebot der Anleihen des Staates, bleibt die Nachfrage jedoch gleich, wird der Kurs der Anleihe fallen und zeitgleich der Effektivzins steigen. Der Staat emittiert oftmals aufgrund eines steigenden Haushaltsdefizites mehr Anleihen, dadurch steigt jedoch auch das Volumen der ausstehenden Anleihen und es findet eine Anpassung des Preises der Anleihe nach dem Angebot und Nachfrage-Prinzip statt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das allgemeine Zinsniveau wird von mehreren verschiedenen Faktoren beeinflusst, wobei allen zugrunde liegt, dass es sich um gesamtwirtschaftliche Mechanismen handelt, die Einfluss auf die Zinsen nehmen. 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