Die Einflussfaktoren auf die Wechselkurse

Währun­gen wer­den weltweit am nicht lokalisier­baren Devisen­markt gehan­delt, welch­er aktuell der mit Abstand größte Finanz­markt der Welt ist. Täglich wer­den dort mehr als 6 Bil­lio­nen US Dol­lar umge­set­zt. Dabei nehmen die Leitwährun­gen (USD, Euro Yen, Pfund) den größten Anteil ein. Im Gegen­satz zum Aktien­markt ist der Devisen­markt 7 Tage die Woche, 24 Stun­den am Tag geöffnet. Dadurch kann garantiert wer­den, dass im Wech­selkurs stets alle aktuellen Dat­en und Nachricht­en eingepreist sind. Die Ein­flussfak­toren auf den Wech­selkurs sind dabei jedoch vielfältig. Wie sehr die einzel­nen Fak­toren auf den Wech­selkurs Ein­fluss nehmen, kann von keinem Finanzin­sti­tut oder Ana­lysten genau bes­timmt wer­den. Trotz­dem wird die Währung eines Lan­des mit­tel-bis langfristig von ver­schiede­nen Fak­toren und Ursachen bee­in­flusst:

Außenhandel

Außen­han­del betreibt ein Land dadurch, dass es Waren und Dien­stleis­tun­gen ins Aus­land exportiert und eben­so Waren und Dien­stleis­tun­gen aus dem Aus­land importiert. Für die Exporte erhält das Land aus­ländis­che Währun­gen, auch Devisen genan­nt, welche es anschließend in die heimis­che Währung umtauschen kann. Um Importe bezahlen zu kön­nen, muss hinge­gen zunächst die aus­ländis­che Währung des Lan­des, aus dem auch die Importe stam­men, gekauft wer­den. Dazu wird die heimis­che Währung in die jew­eilige aus­ländis­che Währung getauscht, um anschließend die Importe in fremder Währung bezahlen zu kön­nen. Alle Importe und Exporte wer­den in der Leis­tungs­bi­lanz eines Lan­des verze­ich­net. Je mehr ein Land nun exportiert, desto mehr wird die Nach­frage nach der eige­nen Währung ansteigen und fol­glich mit steigen­der Nach­frage wird auch der Kurs der heimis­chen Währung steigen. Je höher nun also der Exportüber­schuss (Leis­tungs­bi­lanzüber­schuss), desto mehr sollte die Währung des Lan­des gegenüber ein­er zweit­en Währung aufw­erten. Ander­sherum, je größer das Leis­tungs­bi­lanzde­fiz­it (das Land importiert mehr als es exportiert), desto stärk­er sollte die Währung eines Lan­des abw­erten, da es nun gezwun­gen ist, mehr an heimis­ch­er Währung zu verkaufen, um die Importe (notierend in fremder Währung) bezahlen zu kön­nen. Dieser Verkauf der heimis­chen Währung bee­in­flusst dann jedoch wiederum neg­a­tiv den Wert der heimis­chen Währung gegenüber Fremd­währun­gen. Somit beste­ht mit­tel- bis langfristig ein Zusam­men­hang zwis­chen dem Außen­han­del eines Lan­des und dessen Währungsen­twick­lung. Außer­dem und unab­hängig davon ist zu ver­merken, dass die Währung eines Lan­des oft­mals mit der Preisen­twick­lung des Haup­t­ex­portgutes des Lan­des kor­re­liert. Für Rus­s­land, Nor­we­gen oder Sau­di Ara­bi­en gilt somit der Preis für Rohöl als Ref­erenz, für Brasilien oder Kolumbi­en zusät­zlich der Preis für Kaf­fee. Dies hat den ganz ein­fachen Grund, dass mit fal­l­en­den Preisen der wichtig­sten Export­güter eines Lan­des gle­ichzeit­ig die Staat­sein­nah­men sinken, wodurch wiederum die finanzielle Sta­bil­ität des Lan­des geschwächt wird.

Zinsdifferenz

Die Zins­d­if­ferenz beschreibt, dass sich das Zin­sniveau in den bei­den involvierten Län­dern eines Währungspaares unter­schei­det und Anleger ver­suchen, aus dieser Zins­d­if­ferenz durch ein entsprechen­des Zins­d­if­feren­zgeschäft an den Börsen einen Gewinn zu erzie­len. Diese Aus­nutzung der Zins­d­if­ferenz durch ein entsprechen­des Geschäft bee­in­flusst automa­tisch den Kurs des jew­eili­gen Wech­selkurs­es.
Liegt das Zin­sniveau im Euro­raum beispiel­sweise bei 1,00 Prozent, in den USA jedoch bei 3,00 Prozent, möcht­en Anleger aus dem Euro­raum von den höheren Zin­sen in den USA prof­i­tieren, indem sie ihr Geld in US Dol­lar-Anla­gen investieren, oft­mals durch den Kauf von amerikanis­chen Staat­san­lei­hen. Mit dieser Transak­tion kaufen Anleger gle­ichzeit­ig den US Dol­lar und verkaufen den Euro. Die Nach­frage nach US Dol­lar steigt somit auf­grund des höheren Zin­sniveaus in den USA an und somit wertet die Währung US Dol­lar gegenüber dem Euro auf. Der USD wertet nun so lange auf wie Anleger davon aus­ge­hen, dass der zusät­zliche Zins­gewinn durch die Anlage in USD nicht durch einen möglicher­weise anschließen­den Währungsver­lust wieder zunichte gemacht wird. Der Währungsver­lust würde so ausse­hen, dass der USD gegenüber dem Euro an Wert ver­liert, also abw­ertet und Anleger bei Rück­ab­wick­lung der USD-Anlage eine gerin­gere Euro-Summe erhal­ten als ursprünglich investiert. Anleger aus dem Euro­raum hät­ten dann nicht mehr den Zinsvorteil von den in dem Beispiel genan­nten 2 Prozent und wür­den fol­glich weniger in den US Dol­lar investieren. Schon alleine durch die Ankündi­gung der jew­eili­gen Zen­tral­bank des Lan­des, die Zin­sen zu erhöhen / zu senken, kann die Währung steigen / sinken. Entschei­dend dabei ist jedoch, was der Markt zu diesem Zeit­punkt bere­its ‘eingepreist’ hat. Hat der Markt eine Zin­ser­höhung nicht erwartet, wertet die Währung des Lan­des oft­mals kurzfristig stark auf, kommt es jedoch über­raschend zu ein­er Zinssenkung, führt dies oft zu ein­er deut­lichen Abw­er­tung der jew­eili­gen Währung am sel­ben Tag. All­ge­mein lässt sich jedoch sagen, dass höhere Zin­sen eine Währung oft­mals aufw­erten lassen unter anson­sten gle­ichen makroökonomis­chen Bedi­enun­gen gegenüber der Zweitwährung.

Fundamentaldaten

Wie sich die Währung eines Lan­des entwick­elt hängt natür­lich eben­falls von der Real­wirtschaft sowie der finanzwirtschaftlichen Lage des Lan­des ab. Der mit­tel- bis langfristige Trend von Brut­toin­land­spro­dukt und Schulden­stand­squote gibt einen Hin­weis auf die finanzielle und wirtschaftliche Sit­u­a­tion und Sta­bil­ität eines Lan­des und damit Auf­schluss über mögliche Entwick­lun­gen an den Devisen­märk­ten. Eben­so aber wird die Preis­steigerung im Land maßge­blich auf die Währung Ein­fluss neben. Eine hohe Infla­tion­srate entspricht ein­er hohen Gelden­twer­tung. Veröf­fentlicht ein Land eine (deut­lich) höhere als vom Markt erwartete Infla­tion­srate, so führt dies oft­mals zu ein­er Abw­er­tung der heimis­chen Währung an den Devisen­märk­ten. Durch höhere Infla­tion­srat­en kann sich die jew­eilige Zen­tral­bank des Lan­des jedoch dazu gezwun­gen sehen, den entsprechen­den Leitzins zu erhöhen. Dies kön­nte wiederum mehr Kap­i­tal anziehen, was fol­glich die Währung aufw­erten lassen würde. Zwangsläu­fig führt eine niedrige bis gar keine Infla­tion jedoch nicht zu ein­er Aufw­er­tung der Währung, da dies ein Zeichen eines fehlen­den Wirtschaftswach­s­tumes sein kann. Die Zen­tral­banken eines Lan­des geben oft­mals das Ziel ein­er jährlichen Infla­tion­srate von knapp 2 Prozent aus. Kann diese mit­tel bis langfristig tat­säch­lich einge­hal­ten wer­den, prof­i­tiert davon oft­mals auch die Währung des jew­eili­gen Lan­des. Mit ein­er pos­i­tiv­en Entwick­lung der Volk­swirtschaft eines Lan­des steigt auch dessen Attrak­tiv­ität für aus­ländis­che Kap­i­ta­lan­leger. Die Attrak­tiv­ität eines Lan­des als Investi­tion­sziel wird wiederum durch dessen Fun­da­men­tal­dat­en geprägt, also von der Entwick­lung der Einkom­men, des Brut­toin­land­spro­duk­tes, der Infla­tion­srate und Zin­sen sowie der Entwick­lung der Staatsver­schul­dung.

Kaufkraftparität

Die Kaufkraft­par­itä­ten­the­o­rie besagt, dass Wech­selkurse sich mit­tel bis langfristig den einzel­nen Infla­tion­srat­en anpassen und gle­iche Waren und Dien­stleis­tun­gen für densel­ben Geld­be­trag erwor­ben wer­den kön­nen. Kostet beispiel­sweise eine Arm­ban­duhr in den USA $200 und das exakt selbe Mod­ell in Deutsch­land 160 Euro, so muss nach der Kaufkraft­par­itä­ten­the­o­rie ein Wech­selkurs von EUR/USD 1,25 angenom­men wer­den. Ist dies jedoch nicht der Fall, so sollte sich der Wech­selkurs diesem Niveau mit­tel­fristig anpassen, anson­sten herrscht keine Kaufkraft­par­ität zwis­chen den bei­den Währun­gen. Um das Preis­niveau unter ver­schiede­nen Län­dern ver­gle­ichen zu kön­nen, gibt es einzelne Indizes. Neben­bei gibt es auch den soge­nan­nten Big-Mac-Index, welch­er die Preise eines Big Macs in ver­schiede­nen Staat­en untere­inan­der ver­gle­icht.

Kapitalströme

Kap­i­tal­ströme machen heutzu­tage zum großen Teil speku­la­tive Anla­gen aus. Sobald Gel­dan­la­gen, welche aus der Sicht des Investors in ein­er Fremd­währung notieren, län­derüber­greifend ge- oder verkauft wer­den, bee­in­flusst dies den entsprechen­den Wech­selkurs. Inve­storen wer­den dabei ihr Geld dort anle­gen, wo sie die höch­ste Ren­dite erzie­len kön­nen. Hier muss, um das Geschäft durch­führen zu kön­nen, die eine Währung (Aus­landswährung) gekauft wer­den und dafür gle­ichzeit­ig eine zweite Währung (Heimatwährung) verkauft wer­den. Inve­storen aus Deutsch­land, die auf­grund höher­er Zin­sen US-amerikanis­che Staat­san­lei­hen kaufen wollen, bee­in­flussen somit durch ihre Transak­tio­nen den Wech­selkurs EUR/USD mit. Beim Kauf der US-Staat­san­lei­hen (notierend in USD) wird automa­tisch der Euro zum aktuellen Kas­sakurs in US-Dol­lar umge­tauscht. In der Kap­i­tal­bi­lanz wer­den alle finanziellen Transak­tio­nen zwis­chen Inlän­dern und Aus­län­dern erfasst.

Politische Ereignisse

Poli­tis­che Ereignisse haben eben­falls Ein­fluss auf den Kurs ein­er Währung. Dabei hängt es jedoch stark von dem Ereig­nis an sich ab, ob der Wech­selkurs kurz‑, mit­tel- oder langfristig bee­in­flusst wird. Oft­mals reagiert der Kurs ein­er Währung kurzfristig stark auf poli­tis­che Ein­flüsse, langfristig wer­den diese dann jedoch wieder von den wirtschaftlichen Fak­ten in den Hin­ter­grund gestellt. Die oft­mals zitierte Börsen­weisheit ‘Poli­tis­che Börsen haben kurze Beine’ gilt jedoch mehr für den Aktien­markt als für den Devisen­markt. Dies gilt ins­beson­dere dann, wenn in dem Land ein fes­ter Wech­selkurs oder zumin­d­est ein Man­aged Float­ing vor­liegt, die Zen­tral­bank (oft­mals dann ges­teuert von der Poli­tik) also den Wech­selkurs vorgibt bzw. in ein­er bes­timmten Band­bre­ite schwanken lässt. In jedem Fall muss jedoch von Ereig­nis zu Ereig­nis geschaut wer­den, welchen Ein­fluss die poli­tis­che Begeben­heit auf den Wech­selkurs haben kann. Als beispiel­sweise Don­ald Trump am 09.11.2016 zum Präsi­den­ten der USA gewählt wurde, ver­lor der Mexikanis­che Peso kurz nach Bekan­nt­gabe des Wahlergeb­niss­es um bis zu 15 % gegenüber dem US Dol­lar an Wert. Grund dafür waren die von Trump vorher gegebe­nen Wahlver­sprechen, eine Mauer zu Mexiko zu bauen, Importe aus Mexiko mit höheren Zöllen zu bele­gen, um das Leis­tungs­bi­lanzde­fiz­it der USA gegenüber Mexiko zu ver­ringern und all­ge­mein eine Ver­schär­fung der wirtschaftlichen Beziehun­gen bei­der Län­der zulas­ten Mexikos. Kurzfristig hat der Mexikanis­che Peso stark neg­a­tiv auf dieses poli­tis­che Ereig­nis reagiert, kon­nte jedoch bere­its in den kom­menden Tagen und in den näch­sten Wochen wieder einen Teil der Ver­luste wettmachen. Oft­mals sind somit zumin­d­est langfristig die wirtschaftlichen Zahlen und Fak­ten auss­chlaggebend für die Entwick­lung ein­er Währung.

Technische Analyse

Die tech­nis­che Analyse geht von der Annahme aus, dass die zukün­ftige Kursen­twick­lung des Basiswertes in den his­torischen Kursver­läufen zu find­en ist. Beschäftigt wird sich also mit dem Chart und den zurück­liegen­den Kursmustern, um daraus zukün­ftige Entwick­lun­gen zu deuten. Fun­da­men­tal­dat­en wer­den dabei nicht berück­sichtigt. Dieser Fak­tor hat langfristig einen eher unter­ge­ord­neten Ein­fluss auf den Wech­selkurs, da er alle anderen Ein­flussgrößen außer Acht lässt, trotz­dem sollte dieser Punkt bei der Analyse mit­berück­sichtigt wer­den. Kurzfristig, vor allem auf Intra­day-Basis, kann die Chart­tech­nik die Wech­selkursen­twick­lung stark mit­bee­in­flussen. Die Chart­tech­nik ist auch, bis zu einem gewis­sen Grad, mit der Börsenpsy­cholo­gie verknüpft, da die Chart­tech­nik von immer wiederkehren­den Ver­hal­tens­mustern aus­ge­ht.

Fazit

Bei der Betra­ch­tung der Ein­flussfak­toren auf die Wech­selkurse muss stets zwis­chen ein­er kurz und langfristi­gen Bee­in­flus­sung unter­schieden wer­den. Kurzfristig kann die Währung vor allem durch Speku­la­tion, poli­tis­che Ereignisse und Chart­for­ma­tio­nen geprägt wer­den, langfristig jedoch rück­en die Fun­da­men­tal­dat­en und gesamtwirtschaftlichen Fak­toren der involvierten Län­der in den Vorder­grund und sind maßge­blich für die Wer­ten­twick­lung ein­er Währung. Wech­selkurse wer­den jedoch, wie gese­hen, von vie­len ver­schiede­nen Ein­flussfak­toren bes­timmt. Da Volk­swirtschaften sich zudem stets verän­dern und in Bewe­gung sind, wird der Wert ein­er Währung auch stetig an den aktuell gegebe­nen Dat­en angepasst. Tat­sache ist jedoch, dass nie­mand die Entwick­lung von Währun­gen vorher­sagen kann. Trad­er, Ana­lysten und Her­aus­ge­ber von Börsen­briefen kön­nen dies genau­so wenig wie große Finanzin­sti­tute und Banken. Anleger soll­ten deshalb nie eine Anlageentschei­dung am Devisen­markt auss­chließlich auf­grund von Empfehlun­gen Ander­er tre­f­fen, son­dern die Währung anhand oben genan­nter Ein­flussfak­toren ‘abar­beit­en’. Der große Vorteil des hohen Han­delsvol­u­mens des Devisen­mark­tes liegt schließlich auch darin, dass die Kursrich­tun­gen von Währun­gen beina­he nicht manip­uliert wer­den kön­nen.

PrudentWater

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