Auf steigende Zinsen setzen

Auch Pri­vatan­leger haben die Möglichkeit über die Börse auf steigende Zin­sen zu spekulieren. Mit steigen­den Zin­sen am Markt ist gemeint, dass das all­ge­meine Zin­sniveau mit­tel bis langfristig zunimmt. Der Zusam­men­hang zwis­chen Zin­sen und Anlei­henkurse ist dabei ent­ge­genge­set­zt. Steigen die Zin­sen an, so fall­en die Kurse der Anlei­hen, fall­en hinge­gen die Zin­sen am Markt, so steigen die Anlei­henkurse. Dieser Mech­a­nis­mus zwis­chen Zin­sen und Anlei­hen gilt stets. Nun gibt es jedoch ver­schiedene Vari­anten bzw. Finanzin­stru­mente, mit denen Anleger auf steigende Zin­sen set­zen kön­nen:

Derivate

Es kann gezielt ein bes­timmtes Short-Derivat auf den Euro Bund Future gekauft wer­den. Der Euro Bund Future gilt als wichtiger Indika­tor für die Entwick­lung der langfristi­gen Zin­sen in Deutsch­land aber auch im Euro­raum. Genau ist es ein Zin­ster­minkon­trakt, der auf eine fik­tive deutsche Bun­de­san­lei­he mit sech­sprozentiger Verzin­sung und ein­er Laufzeit von 8,5 bis 10 Jahren stan­dar­d­isiert ist. Nun kann mit einem Short-Fak­tor Zer­ti­fikat, einem Short-Knock-out-Zer­ti­fikat oder einem Short-Option­ss­chein auf fal­l­ende Kurse beim Euro Bund Future und damit auf steigende Zin­sen spekuliert wer­den. Eben­so kann der Basiswert des Derivates auch der EURIBOR oder LIBOR sein, bei­des Ref­erenzzinssätze für den Inter­banken­markt im Euro­raum (EUR) bzw. in Lon­don (USD und GBP).

Faktor Zertifikat

Ein Fak­tor Zer­ti­fikat hat keine Laufzeit­be­gren­zung und ver­fügt stets über einen kon­stan­ten Hebel, trotz­dem eignen sich diese Zer­ti­fikate nicht für langfristige ‘Wet­ten’ auf steigende Zin­sen. Der Grund dafür liegt darin, dass Fak­tor Zer­ti­fikate die tägliche prozen­tuale Wertverän­derung des Basiswertes mit einem kon­stan­ten Hebel abbildet. Somit kommt es jedoch zu ein­er soge­nan­nten Pfad­ab­hängigkeit, was dazu führt, dass es aus der Sicht des Anlegers zu ein­er neg­a­tiv­en Abwe­ichung zwis­chen Entwick­lung des Fak­tor Zer­ti­fikates und Entwick­lung des Basiswertes kom­men kann. Fällt beispiel­sweise der Euro Bund Future an einem Tag um 2 Prozent von 100 auf 98 Prozent, so gewin­nt das 2x-Short-Fak­tor-Zer­ti­fikat am sel­ben Tag um 4 Prozent hinzu. Steigt am näch­sten Tag der Euro Bund Future jedoch wieder von 98 auf 100 Prozent und somit um 2,04 Prozent, fällt das 2x-Short-Fak­tor-Zer­ti­fikat an diesem Tag um 4,08 Prozent. Der Bund Future ist wieder auf seinem Aus­gangswert, das Fak­tor Zer­ti­fikat liegt jedoch um 0,08 % im Minus. Für einen einzel­nen Tag sieht der Ver­lust min­i­mal aus, in einem län­geren Seitwärt­strend des Bund Future kommt es jedoch sum­miert zu hohen Ver­lus­ten für den Besitzer des Fak­tor Zer­ti­fikates. Dies bedeutet, dass bei Fak­tor Zer­ti­fikat­en eine Pfad­ab­hängigkeit beste­ht, welche in Seitwärts­be­we­gun­gen zu ein­er abwe­ichen­den Kursen­twick­lung führen kann. Somit sind diese Zer­ti­fikate nicht für langfristige Investi­tio­nen gedacht, son­dern eher kurzfristig einzuset­zen, es sei denn, man geht von einem langfristi­gen, beina­he täglichen Kursrück­gang des Euro Bund Futures aus.

Knock-out-Zertifikat

Eben­so kann mit einem Short-Knock-out-Zer­ti­fikat auf fal­l­ende Zin­sen beim Bund Future und somit auf ein steigen­des Zin­sniveau in Deutsch­land sowie im Euro­raum spekuliert wer­den. Der Vorteil liegt hier darin, dass keine Pfad­ab­hängigkeit wie beim Fak­tor Zer­ti­fikat beste­ht. Außer­dem gibt es teil­weise deut­lich höhere Hebel als bei Fak­tor-Zer­ti­fikat­en. Die Nachteile liegen jedoch darin, dass Knock-out-Scheine eine vorher fest­gelegte Schwelle haben. Im konkreten Fall für ein Short-Knock-out-Zer­ti­fikat auf den Bund Future bedeutet dies, dass die Schwelle über dem aktuellen Kurs des Bund Futures liegt. Geht die Speku­la­tion des Anlegers nicht auf, sprich, fällt der Bund Future nicht, son­dern steigt, und dies sog­ar bis zu der Knock-out-Schwelle, so ver­fällt der Schein wert­los und der Anleger erlei­det einen Totalver­lust. Außer­dem muss der Anleger beacht­en, ob es sich um ein Knock-out ohne Laufzeit­be­gren­zung (open end) oder mit Laufzeit­be­gren­zung han­delt. Im ersteren Fall wird die Schwelle bei einem Short-Knock-out vom Emit­ten­ten schrit­tweise gesenkt. Anson­sten kann der Anleger mit einem Knock-out beina­he 1:1 an der Entwick­lung des Bund Future par­tizip­ieren, da, unter anderem im Ver­gle­ich zu einem Option­ss­chein, ein Knock-out einen kon­stan­teren Hebel und beina­he keine Volatil­ität aufweist.

Optionsschein und Option

Auch mit Option­ss­cheinen und Optio­nen kann auf einen fal­l­en­den Bund Future spekuliert wer­den. Option­ss­cheine kön­nen über die Börse ge- und verkauft wer­den, sind jedoch sehr kom­plex, da mehrere ver­schiedene Kenn­zahlen Ein­fluss auf die Entwick­lung des Option­ss­cheines nehmen. Zu diesen Kenn­zahlen gehört vor allem der das Gam­ma, Vega, Delta sowie das Aufgeld und der Zeitwert.
Außer­dem kann mit­tels Optio­nen und Futures auf ein steigen­des Zin­sniveau spekuliert wer­den. Hier muss der Anleger jedoch über ein spezielles Kon­to ver­fü­gen, um an ein­er Ter­min­börse, beispiel­sweise der EUREX, mit Optio­nen und Futures zu han­deln, denn nur dort ist der Han­del mit diesen Derivat­en möglich. Es gilt jedoch auch hier, dass der Han­del mit Futures und Optio­nen sehr kom­plex und vielschichtig ist, sprich, ähn­lich wie bei Option­ss­cheinen gibt es mehrere Vari­ablen, die Ein­fluss auf das Derivat nehmen. Mit­tels Futures kann außer­dem als Basiswert der EURIBOR oder der LIBOR dienen. Der EURIBOR ist der Zinssatz für Ter­minein­la­gen in der Währung Euro am Inter­banken­markt. Um auf ein steigen­des Zin­sniveau im Euro­raum zu spekulieren, müssen dann jedoch Long-Futures auf den EURIBOR gekauft wer­den. Außer­dem kann mit einem soge­nan­nten Zins­fu­ture auf steigende Zin­sen spekuliert wer­den. Dazu darf der Zins­fu­ture jedoch nicht gekauft wer­den, son­dern muss verkauft wer­den, um auf ein steigen­des Zin­sniveau zu spekulieren. Der Basiswert des Zins­fu­ture ist beispiel­sweise der Bund Future.

ETF

Auch kann mit einem ETF auf steigende Zin­sen am Markt spekuliert wer­den. Hier kann dann ein soge­nan­nter Bund Future Short ETF gekauft wer­den. Die Strate­gie des ETF’s liegt also darin, auf einen fal­l­en­den Bund Future zu spekulieren. Jedoch gilt hier gle­ich­es Prob­lem wie bei den Fak­torz­er­ti­fikat­en. ETFs weisen eine Pfad­ab­hängigkeit auf, die nach dem gle­ichen Prinzip wie bei den Fak­torz­er­ti­fikat­en ver­läuft. Für einen mit­tel bis langfristi­gen Anlage­hor­i­zont eignen sich ETFs für Anleger deshalb nicht. Außer­dem wird eine jährliche Gebühr für das Hal­ten des ETF’s fäl­lig, die soge­nan­nte Total Expense Ratio.

Floater

Ein Floater ist eine Anlei­he mit einem vari­ablen Zinssatz. In peri­odis­chen Abstän­den (in der Regel alle 3, 6 oder 12 Monate) wird dabei der Zins der Anlei­he für die näch­ste Peri­ode angepasst. Nun richtet sich der Zinssatz dabei an einen Ref­erenzzinssatz. Für Euro-Anlei­hen ist dies der EURIBOR, bei Anlei­hen notierend in Dol­lar und Pfund wird in der Regel der LIBOR als Ref­erenzzinssatz genom­men. Da EURIBOR und LIBOR stets das aktuelle Zin­sniveau am Markt wider­spiegeln, eignen sich Floater mit am besten, um auf steigende Zin­sen zu spekulieren. Allerd­ings han­delt es sich dabei eher um ein mit­tel bis langfristiges Anlageve­hikel, da die Zinssätze der Floater nur in peri­odis­chen Abstän­den an das aktuelle Zin­sniveau angepasst wer­den und hier auch kein Hebel­ef­fekt wie bei den anderen vorher erwäh­n­ten Vari­anten möglich ist. Der Anleger sollte deshalb auch stets darauf acht­en, wie lange die Rest­laufzeit der Anlei­he ist. Auf den Zinssatz von Floatern wird in der Regel zusät­zlich ein Auf­schlag gezahlt. Dieser hängt jedoch von der Bonität des Emit­ten­ten ab. Je schlechter die Bonität des Emit­ten­ten, desto höher der Zin­sauf­schlag auf den Ref­erenzzinssatz. Der Auf­schlag soll dann für den Investor das erhöhte Risiko eines Zahlungsaus­fall­es des Schuld­ners aus­gle­ichen. Der Kupon eines Floaters set­zt sich somit in den aller­meis­ten Fällen zusam­men aus einem Festzinssatz, welch­er abhängig von der Bonität des Schuld­ners ist und einem vari­ablen Zinssatz, welch­er abhängig von der Entwick­lung des Ref­erenzzinssatzes (EURIBOR oder LIBOR) ist. Steigt also nun das Zin­sniveau am Markt an, steigt auch der EURIBOR bzw. der LIBOR und fol­glich auch der Zinssatz des Floaters.

Bankaktien

Der Kauf von Bankak­tien ist eine indi­rek­te Möglichkeit, um von steigen­den Zin­sen zu prof­i­tieren. Zunächst prof­i­tiert eine Bank bzw. ein Finanzin­sti­tut sel­ber davon, wenn der Mark­tzins steigt, denn dann kön­nen sie für neu ver­liehenes Geld an Pri­vatkun­den als auch Unternehmen einen höheren Zins fordern. Außer­dem steigen die Zinssätze für Roll-Over-Kred­ite, also jene für vari­abel verzin­ste Kred­ite. Der Bank ermöglichen steigende Zin­sen somit steigende Gewinne, wovon auch let­z­tendlich der Aktienkurs prof­i­tiern kann.
Der Zin­süber­schuss von Banken wächst also mit einem steigen­den Zin­sniveau an, da der Zin­ser­trag stärk­er zunimmt also der Zin­saufwand. Bei dem Zin­saufwand han­delt es sich um den Betrag, welchen Banken für die Geldein­la­gen an ihre Kun­den zahlen müssen. Möchte ein Investor nun von steigen­den Zin­sen prof­i­tieren, indem er Aktien von Banken kauft, muss die jew­eilige Bank jedoch vor­ab auf ver­schiedene Aspek­te unter­sucht wer­den. Vor allem muss das Kred­it­buch der Bank unter­sucht wer­den. Dies ist für jeden Anleger über die Bilanz der Bank möglich. Darin muss dann nachge­le­sen wer­den, wie hoch der Anteil der Roll-Over-Kred­ite am gesamt ausste­hen­den Kred­itvol­u­men ist. Je höher dabei der Anteil, desto mehr prof­i­tiert die Bank von einem steigen­den Zin­sniveau. Außer­dem muss die durch­schnit­tliche Laufzeit der Fest­satzkred­ite herange­zo­gen wer­den. Hier gilt, je kürz­er die Rest­laufzeit, desto vorteil­hafter für die Bank, denn der Zinssatz eines Fest­satzkred­ites ist fix und kann während der gesamten Laufzeit nicht verän­dert wer­den. Banken kön­nen bei diesen Kred­iten somit nicht den Zinssatz erhöhen, auch wenn der Mark­tzins zwis­chen­zeitlich angestiegen ist. Für den Anleger beste­ht aber auch die Möglichkeit, nicht in ein einzelnes Bank­in­sti­tut zu investieren, son­dern einen ETF zu kaufen, welch­er einen bes­timmten Bankenin­dex abbildet. Somit wird in mehrere ver­schiedenene Banken gle­ichzeit­ig investiert und das Risiko vor Ver­lus­ten deut­lich gemindert.

PrudentWater

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